Wer die Sprache beherrscht, beherrscht das Tun

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Parteifreunde,

ich wurde kürzlich gefragt, ob ich die Aufregung über rechte vs. linke Verlage bei der Buchmesse verstünde. Da ich meine Bücher lieber gebraucht kaufe, war ich noch nie auf einer Buchmesse und habe noch nie darüber nachgedacht, was bei einer Buchmesse abläuft – bis zu dieser Frage. Und dann habe ich festgestellt, dass dort tatsächlich ein entscheidender Kampf ausgefochten wird, denn es geht letztlich um die Hoheit über die Sprachdiktion. Wer Sprache definiert – sei es die Belegung bestimmter Begriffe oder auch nur die Festlegung, was gesagt werden darf (und was eben nicht) – entscheidet auch, was gedacht wird. Begriffe, die nicht mehr gedacht werden (dürfen), stehen zur Beschreibung eines Zustandes nicht mehr zur Verfügung. Ein nicht klar beschriebener Zustand wiederum erschwert die Problemanalyse. Und eine fehlende Problemanalyse verhindert zuverlässig eine Lösung des Problems.
Wir erleben es bspw. mit dem Euphemismus „Geflüchtete“, der nichts beschreibt und reinweg an unseren Hilfeleistungsinstinkt anknüpft: Wer flüchtet, braucht selbstverständlich Hilfe. Beschreibt man – ich rede jetzt natürlich nicht pauschal, sondern von dem einen oder anderen Einzelfall – den Geflüchteten anhand seines Tuns als „Eroberer“ oder „Einwanderer in das Sozialsystem“, regt sich nicht der Hilfeleistungsinstinkt, sondern der Abwehrreflex. Worauf eine angemessene Reaktion zu erwarten ist. Wer die Sprache lenkt, steuert das Handeln.
Wer also definiert unsere Begriffe und unseren Sprachkorridor? Überlassen wir das einem links-grünen Politmedienkartell, hat das Konsequenzen, die nicht nur unseren Geldbeutel belasten, sondern unsere Sozialsysteme ins Wanken bringen, unser Sicherheitsbedürfnis beiseite wischt und uns letztlich die Heimat nimmt – einfach nur, weil wir nicht mehr beschreiben (können), was um uns herum geschieht. Zurück bliebe ein mulmiges Bauchgefühl und hie und da ein Aha-Erlebnis, wenn doch mal wer wagt, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Nur Klarheit der Sprache lässt Denken und damit Meinung zu; nur Meinungsvielfalt ermöglicht Diskussion; nur Diskussion ermöglicht Kompromissfindung; und auf politischen Kompromissen beruht der gesellschaftliche Zusammenhalt (vorausgesetzt, die Kompromisse kamen in ausführlicher Diskussion in allen Gesellschaftsteilen zustande). Wer Meinungsvielfalt einengt, spaltet die Gesellschaft. Wer den Meinungskorridor erweitert, führt sie zusammen – zumindest die demokratisch gesinnten Teile davon.
Und deshalb ist die Buchmesse wichtig. Hier stellen sich Verlage aller politischen Strömungen mit ihren Produkten vor, was folglich der Meinungsvielfalt dient. Wem das nicht in die eigene Agenda passt, stinkt natürlich dagegen an; und dem muss Kontra geboten werden – nicht mit handfester Gewalt, aber doch mit Nachdruck: Wir wollen jede Meinung hören und uns aus dieser Vielfalt heraus eine eigene Meinung bilden.
Hoffentlich komme ich dazu, nach Leipzig zu fahren. Wer hätte je gedacht, dass der Besuch der Buchmesse einmal eine ganz wesentliche politische Demonstration sein würde?

Rene Kaiser, KV Mittelsachsen

image_pdfimage_print