Sehtest für Gesundheit und Pflege – ein Suchbild von Ministerpräsident Kretschmer

Sehtest für Gesundheit und Pflege – ein Suchbild von Ministerpräsident Kretschmer
Auf einer Reihe von Plakaten in Marienberg sowie im Umfeld der Bergstadt bietet der CDU – Ministerpräsident Kretschmer den Erzgebirgern einen Sehtest an. Richtig gelesen, nicht Fielmann oder Apollo, sondern Kretschmer.

Machen Sie den Test vor Ort.

Aber Schritt für Schritt: Was die Plakate aus der Ferne und im flüchtigen Hinschauen gut erkennbar zeigen, sind das Gesicht des MP einschließlich seines Vor – und Zunamens.

Das ist die beabsichtigte Botschaft, die sich der nur flüchtig Hinschauende einprägen soll:

Herr Kretschmer, der sächsische Ministerpräsident, schwarzer Anzug vor grünem Hintergrund, Lieblingskolorit und politisches Grundprinzip seiner grünen Kanzlerin. Schon ein Jahr vor der Landtagswahl legt er los und kämpft, Laternenmast für Laternenmast, für ein besseres Sachsen. Der Kümmerer, der Zuhörer, der Macher.

Also: nicht ablenken lassen, denn, aufgepasst, jetzt kommt der Punkt, wo Sehstärke und kognitive Fähigkeiten auf den Prüfstand kommen.

Wer uneingeschränkt über beide Eigenschaften verfügt, erahnt das Kleingedruckte im Kretzschmer – Suchbild ganz tief am unteren Bildrand.

Fast in der Fußzeile, schon weit weniger gut erkennbar als der Namenszug darüber, etwas blass in hellgrün auf weiß, stehen ein Ort, ein Datum und eine Uhrzeit: Marienberg, 23.08., 18:00 Uhr.

Ja, aber was genau ist denn nun los mit Marienberg, 23.08., 18:00 Uhr?

Das erfahren nur die fortgeschrittenen Seher und Wissbegierigen, die sich direkt unter das Plakat stellen und das ganz Kleingedruckte ganz, ganz unten lesen:

Eine Regionalkonferenz der CDU befasst sich mit Gesundheit und Pflege in Sachsen.

Aber warum so verlegen und klammheimlich, Herr Ministerpräsident?

Es entsteht der Eindruck ,dass Schriftgröße, Reihenfolge und Platzierung auf dem Plakat den politischen Stellenwert in den Krisenfeldern Gesundheit und Pflege in unserem von CDU – Regierungen jahrzehntelang gebeutelten Freistaat Sachsen zum Ausdruck bringen.

Warum schiebt der Ministerpräsident die politischen Reizthemen Gesundheit und Pflege nicht nach ganz oben?

Warum so unauffällig statt ausgeprägt, warum so klein und nicht ganz groß, warum ganz untenund nicht oben, warum nicht fettgedruckt, Schriftgröße 300?

Liegt das an den Erklärungsnöten bei kritischen Fragen? Hat die CDU keine Lust auf unbequeme Stellungnahmen? Will jemand im Kleingedruckten, kaum erkennbar, das politische Versagen der Sachsen – CDU und die dramatischen Folgen für Alte und für Pflegekräfte verschleiern?

Interesse für den politischen Sprengstoff soll das Plakat keinesfalls wecken. Aufmerksamkeit für das Gesicht und den Namen des CDU – Ministerpräsidenten dagegen schon. Denn er weiß, wie schnell das letzte Jahr vor der Landtagswahl in Sachsen verrinnt.

Die breite Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger oder gar Betroffener scheint zur CDU – Regionalkonferenz nicht wirklich erwünscht zu sein, denn:

Sachsens Pflege arbeitet am Limit. Die Arbeitsbelastung für Pflegekräfte in sächsischen Krankenhäusern ist laut Statistsichem Bundesamt massiv angestiegen. Lag der Personalschlüssel 1991 bei 37 Fällen je Pflegekraft, waren es 2016 schon ganze 58 Fälle – der stärkste Anstieg bundesweit.

Hausgemachter Fachkräftemangel verstärkt das Problem: in Sachsen ausgebildete Pflegekräfte arbeiten lieber in Bayern und verdienen dort deutlich mehr. Sachsen rangiert im bundesweiten Lohnvergleich auf den letzten Plätzen.

Analog zum erodierenden sächsischen Bildungssystem haben die etablierten Parteien den demografischen Wandel und dessen absehbare Folgen im sächsischen Gesundheitssektor zwar bemerkt. Wirksame Maßnahmen haben die von der CDU angeführten schwarzroten oder schwarzgelben Koalitionen jedoch nicht ergriffen.

Im Gegenteil. Im vollen Bewusstsein der Tatsachen wurden die sich zuspitzenden Missverhältnisse im Pflegebereich sehenden Auges in Kauf genommen, zu Lasten der Lebensqualitität der Betroffenen und zu Lasten des überarbeiteten Pflegepersonals.

Im Gegenzug kommen die Steuerzahler für die milliardenschwere Last anderer Aufgaben auf. Etwa für die Rundumversorgung von Migranten aus aller Welt, die unser Land aus sicheren Drittstaaten illegal betreten haben und sich, dem Wunsch von Katrin Göring – Eckhard folgend, auch in unserem Sozialsystemen wohlfühlen – dauerhaft, Jahr für Jahr, mehr und mehr.

Die Alten dagegen, die unser Land aufgebaut und unseren Wohlstand erwirtschaftet haben, genießen diese Fürsorge und Aufmerksamkeit nicht ansatzweise.

Gemeinsam mit SPD und FDP, je nach Legislaturperiode, hat die CDU uns schon länger hier lebende Deutsche zu Menschen 2. Und 3. Klasse gemacht! Hauptsache, wir zahlen, zeigen ein freundliches Gesicht und sind politisch korrekt.

Es ist ein beschämendes Ergebnis jahrzehntelangen politischen Versagens, was mit den vorgeblich christlichen Wertvorstellungen der CDU unvereinbar ist.

Herr Ministerpräsident, wir Sachsen merken uns die jahrzehntelange Geringschätzung Ihrer CDU gegenüber den Interessen und Nöten der Bürger. Wir werden dies schon bald in der Wahlkabine quittieren.

Egal, wieviele Regionalkonferenzen die CDU durchführt.

Thomas Prantl

(Vorstandsmitglied KV Erzgebirge, kommunalpolitischer Sprecher)

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