Vorsicht Post aus Sachsen! Die Sonntagskolumne von Jörg Urban

Liebe Freunde, liebe Leser,

Überbringer schlechter Nachrichten hatten es schon immer schwer. Ihnen wird Panikmache vorgeworfen und sie werden selten um Rat gebeten, wenn sich herausstellt, dass sie doch richtig lagen.

Zum schwierigen Thema der „Blackout“-Gefahr will ich deshalb mit dem einzig Positiven anfangen: Sachsen ist bisher selten von Stromausfällen betroffen. Pro Endverbraucher kamen wir 2018 nur auf 7,94 Minuten. Das ist bundesweit der beste Wert.

In anderen Bundesländern gingen die Lichter länger aus. In Schleswig-Holstein waren es 29,73 Minuten und in unserem Nachbarland Brandenburg 27,24 Minuten. Sie sehen daran: Wir sollten uns nicht zu sicher fühlen, denn bereits kleine Fehler haben gravierende Auswirkungen.

Leider ist das Bewusstsein dafür unterentwickelt. Ich habe kürzlich den Beitrag einer Journalistin aus Mecklenburg-Vorpommern gefunden, die schlagartig 18 Stunden ohne Strom auskommen musste. In völliger Hilflosigkeit schreibt sie über dieses verstörende Erlebnis: „Ich möchte weinen.“

Das Wasser sei eiskalt gewesen. Ihr Handy habe nicht mehr funktioniert und das Internet war „genauso tot wie meine Heizung“. Zumindest in ihrer Redaktionsstube weiß man jetzt, dass wir alle „stromabhängig“ sind.

Wobei es nicht nur um uns geht: Die Metallindustrie warnt, bereits Spannungsschwankungen „im Millisekundenbereich“ könnten hochempfindliche Maschinen schwer beschädigen. Das Stromnetz ist also ein sehr sensibles Ding. Wir können uns hier keine Experimente leisten, wie das CDU, Grüne und SPD jetzt auch in Sachsen vorhaben.

Um dies zu verstehen, sollten Sie sich unsere Netzbetreiber einfach als Jongleure vorstellen. Mit drei Bällen kommen sie zurecht. Werden es aber fünf, sechs oder sieben, wird es brenzlig. Diese Situation haben wir durch den Ausbau der Wind- und Solarkraft selbst herbeigeführt, weil sie lediglich „Flatterstrom“ liefern.

Manchmal scheint die Sonne und der Wind weht kräftig. Manchmal aber auch nicht. Beide Fälle verursachen Probleme. Der Ostermontag 2019 war z.B. so sonnig und windig, dass wir allein an diesem einen Tag 17 Millionen Euro bezahlen mussten, um unseren überflüssigen Strom loszuwerden.

Das ist absurd, denn normalerweise produziert man ja Strom, um Geld zu verdienen. Im Juni nun war an drei Tagen das Gegenteil der Fall. In ganz Europa sackte die Netzfrequenz ab, weil Deutschland nicht genug Strom zur Verfügung stellte. Wäre es im schlimmsten Fall zu einem Blackout gekommen, hätte dies Kosten in Höhe von 150 Milliarden Euro pro Tag (!!!) verursacht. Das ist unvorstellbar.

Doch das Unvorstellbare kann schnell Wirklichkeit werden. In der DDR hatte ein abrupter Temperatursturz um 30 Grad Celsius zu Silvester 1978/79 katastrophale Folgen. In Thüringen fiel der Strom gleich mehrere Tage aus – und das bei minus 20 Grad. 17 Menschen kamen ums Leben und das, obwohl die „Stromabhängigkeit“ damals niedriger gewesen sein dürfte.

Sollte es heute zu einem Blackout kommen, dann geht kein Bankautomat mehr, keine Tankstelle, kein Internet, kein Handy. Elektrische Türen bleiben verschlossen, Fahrstühle bleiben stehen und selbst die Nahrungsmittelversorgung könnte kollabieren. Niemand möchte, dass es so weit kommt, aber nur wenn wir energisch davor warnen, besteht Hoffnung auf eine Kehrtwende.

Verantwortlich für die abenteuerliche Energiepolitik ist in erster Linie die CDU. Sie regiert seit einer gefühlten Ewigkeit und triftet immer weiter nach links ab. Im neuen Koalitionsvertrag für den Freistaat Sachsen kündigt sie nun einen fatalen Paradigmenwechsel an.

Der nebulöse Klimaschutz soll als Staatsziel in der Verfassung verankert werden. Umsetzen will man ihn mit einer forcierten Verspargelung der Landschaft durch Windräder, die ich schon allein aus ästhetischen Gründen ablehne. Eine stabile und sichere Energieversorgung scheint für die CDU nicht mehr so wichtig zu sein.

Sitzen wir also bald im Dunkeln? Wenn Ministerpräsident Michael Kretschmer so weitermacht wie bisher, steigt zumindest von Tag zu Tag die Gefahr.

Gibt es eine Alternative dazu? Ja. Eine längere Nutzung der Braunkohle und eine intensive Kernenergie-Forschung.

Bis nächsten Sonntag,
Ihr Jörg Urban

PS: Mein Kollege André Barth hat gerade mit einer Kleinen Anfrage (Drs. 7/460) die „Stromausfälle in Sachsen“ in Erfahrung bringen wollen. Ergebnis: Die Regierung erfasse diese Daten statistisch noch nicht einmal!

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