Ideologisches Kunsterlebnis in Dresden

In der Städtischen Galerie Dresden, Wilsdruffer Straße 2, gibt es derzeit eine empfehlenswerte Ausstellung über einen Altmeister der Dresdner Malerei: Bernhard Kretzschmar. Das Museum verließ ich trotzdem äußerst verstört. Was war passiert?

Im sonst zu Ruhe und Entspannung einladenden Café des Erdgeschosses erklang das hektische Stimmengewirr der Migrationsdienstleistung. Auf Nachfrage klärte man mir, dass von Dienstag bis Donnerstag Ehrenamtliche hier Flüchtlingen helfen würden. Alle Plätze waren belegt, laute Basarstimmung herrschte.
Dazu passend fand ich im Obergeschoss in Nähe und Sichtbeziehung zu Objekten der Bildhauer Bonk und Maasdorf einen Schwippbogen von Manaf Halbouni, vermutlich aus Gips oder Beton, mit Stacheldraht und Beleuchtung. Dieser Mann, der Dresden bereits mit seinen Schrottbussen verhöhnte, tut es nun auch mit der erzgebirgischen Tradition. Der „Anzeiger 53/2018“ der Städtischen Galerie sieht in Halbounis Werken eine Mahnung an ein menschliches Miteinander. Tatsächlich ist es aber eine Verhöhnung unserer Kultur. So ideologisch verkommen ist unsere Gesellschaft inzwischen, dass dies in einer Städtischen Galerie möglich ist.

Meine Eindrücke und Gedanken teilte ich dem Direktor der Galerie, Herrn Dr. Gisbert Porstmann, per Mail mit. Den ASA-Lesern möchte ich Auszüge aus seiner erhellenden Antwort nicht vorenthalten:

Dankbar bin ich Ihnen auch über die Mitteilung, über Ihre Wahrnehmung im Café. Lange war das Café schwach besucht, so dass ich den Ehrenamtlichen gern die Tore öffnete.
Sollten jetzt doch mehr Museumsbesucher Ruhe und Entspannung suchen, muss ich einen neuen Ort für die Ehrenamtlichen suchen.
Zum Schwippbogen von Manaf Halbouni: Als wir dieses Werk von der ostsächsischen Sparkasse im Dezember geschenkt bekamen, sah ich spontan eine assoziative Verbindung zur Weihnachtsgeschichte der Stacheldraht um die Leuchtkerzen des Bogens riefen das Bild der Dornenkrone Christies hervor. Und so war es nicht mehr weit, die Kernbotschaft der Weihnachtsgeschichte wieder im Kopf zu haben.

Was die Ideologie angeht, kann ich Ihnen versichern, dass ich alles versuchen werde, um die Museen als ideologiefreien Ort zu erhalten.
Wusste der Direktor bisher nicht, dass Besucher in einem Museum auch Ruhe und Entspannung suchen? Offenbar ist er eher dafür zuständig, Orte für Ehrenamtliche in seiner Galerie zu finden. Und mit Ideologie hat das ohnehin alles nichts zu tun!

Wer sich näher mit Manaf Halbouni beschäftigen will, findet hier interessante Selbstauskünfte: https://www.manaf-halbouni.com/work/what-if/ Dort gibt es auch die von ihm sogenannten „Kampfkarten“ zur Eroberung Europas und Deutschlands zu sehen. Diese gehen sehr ins Detail, bis hin zum arabischen Sachsen und der Sächsischen Schweiz. Die Kampfkarten verzeichnen die Bewegungen der Truppen und Verbände sowie wichtige militärische Ziele. Die neu eroberten Städte werden teils umbenannt oder übersetzt. Lediglich einige Großstädte dürfen ihren Namen behalten. Leider hat der Meister die Karten arabisch beschriftet. Ob der Herr Direktor Dr. Porstmann auch darin eine Mahnung an ein menschliches Miteinander sieht und an die Kernbotschaft der Weihnachtsgeschichte erinnert wird?
Eine Wende muss her, auch in Kunst und Kultur. Gehen wir in die Städtische Galerie Dresden, holen wir uns das Café zurück. Schließen wir den Migrationsbasar.
Packen wir es an. Wir schaffen das!
Peter Schulze, KV Bautzen

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